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Schmelzanalyse verstehen: Spektralanalyse und RFA beim Messingverkauf für Händler

Die Schmelzanalyse beim Messingverkauf misst, was in einer Charge steckt: Kupfer-, Zink- und Bleianteil sowie Begleitelemente wie Eisen, Zinn oder Nickel. Sie entscheidet, ob eine Lieferung als sortenreines Automatenmessing, als Blechmessing oder als Mischcharge abgerechnet wird – und damit direkt über den Erlös.

Schmelzanalyse beim Messingverkauf

Schmelzanalyse beim Messingverkauf: was wird gemessen?

Messing ist keine einheitliche Legierung, sondern eine Familie von Kupfer-Zink-Legierungen. Der Kupferanteil liegt je nach Sorte zwischen etwa 37 und 85 Prozent, der Rest ist überwiegend Zink. Dazu kommen gezielt zulegierte Elemente: Blei verbessert die Zerspanbarkeit, Silizium ersetzt Blei in bleifreien Sorten.

Für den Handel sind drei Größen zuerst interessant: der Kupferanteil, weil Kupfer das teuerste Element der Legierung ist; der Bleianteil, der Automatenmessing von bleifreien Sorten trennt; und Fremdanteile wie Eisen oder Zinn, die zeigen, ob Fremdmetalle in die Charge geraten sind oder ob es sich um Rotguss handelt, eine Kupfer-Zinn-Legierung.

Legierung Typische Zusammensetzung Wo sie anfällt
CuZn39Pb3 (MS58) ca. 58 % Kupfer, ca. 3 % Blei, Rest Zink Drehteile, Armaturen
CuZn37 ca. 37 % Kupfer, Rest Zink Bleche, Bänder
CuZn21Si3P (bleifrei) ca. 76 % Kupfer, ca. 21 % Zink, ca. 3 % Silizium Sanitärarmaturen

RFA oder Spektralanalyse: wo liegt der Unterschied?

Beide Verfahren liefern eine Elementanalyse, aber sie messen an unterschiedlichen Stellen und mit unterschiedlicher Genauigkeit.

Das Handheld-RFA-Gerät auf dem Platz

Ein RFA-Handgerät – RFA steht für Röntgenfluoreszenzanalyse – schickt einen Röntgenstrahl auf die Metalloberfläche und misst die zurückkommende Fluoreszenzstrahlung. Das Ergebnis liegt in Sekunden vor, das Teil bleibt unbeschädigt.

Die Schwäche liegt in der Oberfläche. Lack, Öl oder Oxidschichten verfälschen das Bild, weil das Gerät nur die obersten Mikrometer sieht. Leichte Elemente wie Silizium misst ein Handgerät außerdem ungenauer als Kupfer, Zink oder Blei. Für eine Sortierentscheidung reicht das fast immer; als alleinige Grundlage für die Abrechnung einer großen Charge ist es dagegen dünn.

Die Funken-Spektralanalyse im Labor

Bei der optischen Emissionsspektrometrie, im Handel meist Spektralanalyse genannt, erzeugt ein Funke ein Plasma auf einer geschliffenen Probefläche. Aus dem Lichtspektrum liest das Gerät die Zusammensetzung ab. Das Verfahren braucht eine vorbereitete Probe und hinterlässt einen kleinen Funkenfleck – dafür misst es auch leichte Elemente zuverlässig.

Die Schmelzanalyse im engeren Sinn geht noch einen Schritt weiter: Die Probe stammt aus der Schmelze selbst oder aus Bohrspänen, die über die Charge verteilt entnommen wurden. Sie bildet den Durchschnitt der Charge ab, nicht nur ein einzelnes Teil. Gießereien verlangen sie, weil sie ihre Schmelze auf eine Ziellegierung einstellen müssen – welche Anforderungen Gießereien an Schmelzware und Analysewerte stellen, steht in einem eigenen Beitrag.

Wie läuft die Schmelzanalyse beim Messingverkauf ab?

Bei größeren Mengen sieht der Ablauf meist so aus. Nach der Anlieferung prüft der Käufer zuerst Sichtung und Sortierung, dann folgt die Stichprobe. Bei kleineren Posten genügt oft das Handgerät an mehreren Stellen der Charge; bei größeren Chargen nimmt der Käufer zusätzlich eine Laborprobe und lässt sie analysieren, bevor der endgültige Preis feststeht. Die Handmessung liefert Werte in Sekunden, die Laboranalyse braucht ein bis wenige Werktage.

Die Analyse ist dabei kein Misstrauensvotum, sondern Teil der Abrechnung. Wer seine Charge vorher selbst sortiert und die Herkunft der Teile kennt, hat bei der Probe wenig zu befürchten. Hilfreich ist es, die Chargenreinheit mit Materialzeugnissen zu belegen, wo solche Unterlagen aus der Produktion oder aus früheren Lieferungen vorliegen. Ein Zeugnis ersetzt die Analyse beim Käufer nicht, verkürzt aber die Diskussion bei einem abweichenden Wert.

Toleranzen: was Händler einkalkulieren müssen

Kein Messwert ist exakt. Jede Analyse hat eine Messunsicherheit, die je nach Verfahren und Element im Bereich von Zehntel-Prozentpunkten liegt. Dazu kommt die Probenahme: Eine Charge ist nie vollkommen homogen. Drehteile aus einer Fertigung streuen weniger als Abbruchmaterial aus mehreren Baustellen. Ein einzelner Messwert, der um zwei Zehntel vom deklarierten Wert abweicht, ist deshalb noch kein Beweis für eine falsche Deklaration.

Seriöse Abnehmer arbeiten daher mit Toleranzfenstern oder mit einer Nachanalyse, bevor sie den Preis kürzen. Verkäufer sollten bei auffälligen Werten zuerst nach der Probe fragen: Wo wurde gemessen, war die Fläche angeschliffen, Handheld oder Labor? Drei Fehlerquellen tauchen immer wieder auf: eine verschmutzte Oberfläche, eine Probe aus nur einem Teil der Charge und eine Verwechslung ähnlicher Legierungen.

Ein praktischer Schutz ist die Rückstellprobe. Ein Teil der Laborprobe bleibt beim Käufer oder bei einem neutralen Labor zurück und kann bei Streit erneut gemessen werden. Wer bei einer größeren Lieferung Probenahme, Messstelle und Rückstellprobe schriftlich festhält, spart sich im Streitfall die Diskussion darüber, was gemessen wurde. Nach der Verladung lässt sich das kaum noch korrigieren – das gilt auch für Mengen, Beladung und Abwicklung beim Verkauf in Containern.

Was die Schmelzanalyse beim Messingverkauf für den Preis bedeutet

Eine sortenreine Charge mit belegter Analyse erzielt in der Regel den vollen Sortenpreis, weil der Käufer sie ohne Nachsortierung weiterverarbeiten kann. Eine Charge mit unklarer Analyse wird dagegen mit einem Abschlag oder als Mischsorte abgerechnet, weil der Käufer das Risiko einpreist, dass die Schmelze nachkorrigiert werden muss. Mehr dazu im Beitrag über Legierungszuschläge und sortenreines Messing. Als Orientierung dienen die täglich aktualisierten Richtwerte auf der Startseite; für eine konkrete Menge hilft der Messing-Preisrechner pro Kilo.

Häufige Fragen zur Schmelzanalyse

Reicht ein Handheld-RFA-Gerät für den Verkauf aus? Für die Sortierung ja. Für die Abrechnung großer Chargen allein oft nicht, weil es nur die Oberfläche misst.

Was kostet eine Labor-Schmelzanalyse? Das hängt vom Labor, vom Elementumfang und von der Eiligkeit ab. Bei größeren Chargen fällt sie im Verhältnis zum Warenwert kaum ins Gewicht; klären Sie vorab, wer die Kosten trägt.

Was tun, wenn der Wert nicht zur Deklaration passt? Zuerst die Probe prüfen, dann den Wert: War die Messfläche sauber, stammt die Probe aus mehreren Teilen der Charge, liegt eine Rückstellprobe vor? Erst dann lohnt die Nachanalyse in einem zweiten Labor. Alles schriftlich festhalten und die Reklamationsfrist im Kaufvertrag beachten. Einen Überblick über die RFA-Sortierung gibt SPECTRO in seinem Whitepaper zur Schrottsortierung.

Messing in Mengen zu verkaufen oder zu exportieren? Fordern Sie unverbindlich ein Ankauf-Angebot an – mit Sorte, Menge und, falls vorhanden, Analysewerten. Eine belegte Analyse beschleunigt das Angebot. Die Anfrage ist unverbindlich; Sie entscheiden erst nach dem Angebot, ob Sie verkaufen.

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